Buschbericht August 2010

Der Busch ist zwar ziemlich kahl und trocken, doch zumindest die abgebrannten Flaechen zeigen nun erstes Gruen von frisch spriessendem Gras. Und die Drehknopf-Akazien bluehen, zur Freude der Giraffen. Viele Tiere halten sich in unmittelbarer Naehe der permanenten Wasserstellen und Fluesse auf. Migranten wie z.B. der Schwarzmilan sind bereits angekommen. Die Giraffen bekommen nun vor Beginn des kommenden Sommers vermehrt ihre Jungen, ebenfalls konnten wir bereits viele junge Bueffelkaelber beobachten.  Viele Voegel bereiten sich auf die nahende Brutzeit vor,  und die Insektenwelt wird aktiver, wie z.B. erste Dung-Beatles u.s.w.

Der August war sehr busy, wir waren viel unterwegs.
Halb-, Ganz-, und Mehrtages Safaris im Krugerpark, sowie Trips in der Umgebung.
Bei den mehrtaegigen Safaris uebernachteten unsere Gaeste in der Grand-Kruger Lodge in Marloth und direkt im Krugerpark. Im Park hatten wir die beiden Bush-Camps Tamboti und Biyamiti ausgewaehlt.
Tamboti hat schoen gelegene Safari-Zelte,
Biyamiti liegt am gleichnamigen Fluss und hat komfortable voll ausgestattete Gaestehaeuser.
Bei einem 4-Tages Trip legten wir die An- und Abfahrt ueber den Krugerpark als Safaris.
Dazwischen 2 Tage am Blyde River Canyon mit Panorama Tour, einer Wanderung in den Bergwald
am Blyde Damm, und dem Besuch des Moholoholo Tierrehabilitations-Centers  sowie des Khamai-Reptilienparks.
Waehrend dieser 2 Tage hatten wir in Bungalows des privaten Madumaboma Reserves uebernachtet.
Von Marloth-Park aus ging es auf einige Morning Bush-Walks und Late-Afternoon/Night-Drives
mit SANParks in Crocodile-Bridge. Die absoluten Sichtungs-Highlights waren:

Zebra und Gnu Migration im Mnondozi-Tal: An einem Spaetvormittag verliessen wir Lower-Sabie in Richtung Norden ueber den Fluss. Wir bogen rechts in die S29 Piste ab, die Gegend links davon war vor einigen Wochen abgebrannt worden. Das Savanna-Biom in dem der Krugerpark liegt, ist abhaengig von Buschfeuern.
Dadurch verbrennt altes trockenes Gras, dies gibt neuem Wuchs Platz, die Asche dient zusaetzlich als natuerlicher Duenger. Da es nicht immer zu natuerlichen Buschfeuern kommt muessen die Ranger oft nachhelfen. Die beste Zeit dafuer ist vor dem Fruehling und dem ersten Regen.
Der Boden hat durch den guten Regen im letzten Sommer noch einiges an Wasser gespeichert, ausserdem liegt dieser Platz in einem Tal, dadurch hatte das frische Gras nach nur wenigen Tagen zu spriessen begonnen. Dies zog nun die Graser an, wie z.B. Gnus und Zebras.  Links der Piste hatten sich bereits viele Tiere versammelt. Als wir sie beobachteten tauchten immer mehr auf, bis sich einige Hundert dort versammelt hatten. Sie schienen wie auf ein Zeichen zu warten. Wir fotografierten begeistert. Dann schnaubte eines der Gnus und ging los. Daraufhin setzt sich der ganze Trek in Bewegung, ich bekam Gaensehaut. Wir standen auf dem Weg und links und rechts von uns querten ca 600 Gnus und Zebras den Weg und bewegten sich hinab ins Mnondozi-Tal und zu den gegenueberliegenden Grasflaechen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde bis die Tiere an uns vorbeigezogen waren. So ein Schauspiel hatten selbst wir noch nicht in einer solchen Groessenordnung und so hautnah erlebt!
 
Der Elefantenbulle “Duke”: Nahe Gomondwane hatten wir die Ehre, dem wohl bekanntesten Elefanten des Krugerparks zu begegnen. Wir stiessen auf zwei grosse Elefantenbullen, und ich erzaehlte unseren Gaesten gerade ueber die grossen “Tusker” und eben ueber den “Duke”. In diesem Moment drehte sich der Bulle, der uns vorher nur sein Hinterteil zeigte, zu uns um. Und da sahen wir, dass es sich hierbei wirklich um “Duke” handelte. Die maechtigen Stuempfe seiner beiden nun leider mittlerweile schon abgebrochenen Stosszaehne wirkten immer noch gigantisch, sein weiteres Markenzeichen ist sein Sendehalsband. Da der betagte Duke nun schon weit ueber 50 Jahre alt ist hatte ihm SANParks dieses Sendehalsband verpasst. Sollte er im Busch verenden, dann koennten die Ranger ihn leichter finden. Sein Schaedel soll mit den bereits sichergestellten maechtigen Stosszaehnen im Elefantenmueseum im Parkcamp Letaba der Nachwelt zeigen wie maechtig Duke dann einst war.
Wir hoffen natuerlich, dass dies noch einige Jahre dauert und wir noch oefter die Chance haben diesen grauen “Gentlemen” im Park zu treffen. Er ist naemlich auch ein sehr anstaendiger braver Bulle, der selbst wenn er in Musth ist, oder von Touristenautos zu sehr bedraengt wird, immer gelassen und relaxt bleibt. Ein lebendes Wahrbild des Parks!

Ginsterkatzen in Tamboti
Bei einem unserer August Mehrtages-Trips uebernachteten wir nahe dem Orpen-Tor im Tamboti Busch-Camp. Gegen 20:00 Uhr sassen wir gerade auf der Terrasse der auf Stelzen gebauten Zelte und genossen unser Braai. Da hoerte einer unserer Gaete etwas im Gebuesch. Wir suchten die Umgebung mit einem Strahler ab, und entdeckten zwei Grossflecken-Ginsterkatzen. Die beiden waren wenig scheu, und wir bekamen eine tolle halbstuendige Abendvorstellung, als die nachtaktiven Tiere im Busch nach Nahrung wie Maeusen, Voegeln, Reptilien u.s.w. suchten. Man ist sonst schon froh, wenn man die Tiere kurz bei einer der Nacht-Safaris kurz zu Gesicht bekommt, eine solche lange Sichtung, bei der die Tiere in Aktion waren ist wirklich sehr selten!

Leoparden bei Afsaal und am Sabie-River
Zwei unserer Gaeste hatten ein ganz besonderes Glueck, mit Ihnen hatten wir zwei phantastische
Leoparden-Sichtungen. Nach einem relativ ruhigen Safari-Tag fuhren wir kurz nach dem Brunch in Berg-En-Dal auf der S114 Richtung Biyamiti-Wehr. Wir wollten dort noch etwas nach Tieren Ausschau halten, und danach direkt in unser gleichnamiges Uebernachtungscamp Biyamiti weiterfahren. Ein entgegenkommendes Auto blendete auf, der Fahrer winkte ganz aufgeregt. Dann sagte er: “wenn Du deinen Gaesten einen totalen Hammer zeigen willst, dann fahr ganz schnell  Richtung Afsaal, da hat ein Leopard ein Impala gekillt, direkt am Weg!” Wir bedankten uns fuer den Tip, bogen in die H2-2 ab und suchten nach dem besagten Platz. Ich beruhigte die Gaeste, sie sollten sich nicht zu frueh freuen, vielleicht war die Raubkatze bereits verschwunden. Aber sie war es nicht. Ein paar weitere Autos verrieten uns bereits von Weitem den Ort des Geschehens. Ein PKW fuhr gerade weg, und wir bekamen einen genialen Platz. Seitlich von uns, am gegenueberliegenden Strassenrand, in einem Ahnenbaum, da sass er. Besser gesagt “Sie”! Es war eine grosse Leopardin, relaxt und bereits mit vollgefressenem Bauch lag sie auf einem Ast.  Ueber ihr in einer Astgabel die Ueberreste ihrer Beute, einem einjaehrigen Impala. Waehrend die Raubkatze sich auf dem Ast hin- und herraekelte beobachteten wir sie gut 45 Minuten lang. Das war auch fuer uns persoenlich die laengste Nah-Sichtung dieser meiner Meinung nach wohl schoensten Raubkatze. Unsere Gaeste und ich selbst bekamen Wahnsinns-Bilder! Ein etwas hektischer Besucher beendete dann leider die Sichtung, er rangierte seinen Wagen nervoes unter dem Baum hin- und her. Die Leopardin war beunruhigt, fauchte uns kurz alle an, kletterte dann Kopf voran den Baum hinab, querte zwei Autos vor uns die Piste, warf uns allen noch einen aergerlichen Blick zu, dann verschwand sie im Busch.
Am naechsten Tag, wieder um die Mittagszeit, wir fuhren gerade vom Lower-Sabie Camp am Fluss entlang Richtung Sueden. Gerade als ein entgegenkommendes Auto an uns vorbeirollte bemerkte ich ca 150m vor uns etwas auf der Strasse. Erst dachte ich, es sei ein Pavian, dann sah ich den schlendernden Gang und die zuckende weisse Schwanzspitze! Ein weiterer Leopard! Langsam naeherten wir uns, so leise als moeglich. Ich hatte Bedenken, die Raubkatze wuerde die Strasse sofort verlassen wenn sie uns bemerkt. Dem war jedoch nicht so! Wir hielten weiterhin ca 10-15m Komfort-Abstand, und der Leopard kam damit gut klar. Ein Blick durch`s Fernglas, es war wieder ein Weibchen, wiederum ein sehr Grosses. Sie schlenderte die Strasse entlang, querte diese einige Male, duckte sich kurz ab als in einiger Entfernung Impalas warnten. So lief sie einige hundert Meter vor uns her. Per Handzeichen stoppten wir den weiteren entgegenkommenden Verkehr. Gluecklicherweise erfahrene Leute, sie sahen was los war, und sie hielten dann rueckwaerts fahrend ebenfalls den gebuehrenden Abstand. Nach etwa 10 Minuten kamen immer mehr Autos, die Raubkatze fuehlte sich nicht mehr wohl auf der Strasse, und ging in den Busch. Da sahen wir sie noch eine Weile parallel zur Fahrbahn, dann drehte sie ab Richtung Fluss.  Wir hatten alle die Luft angehalten vor Aufregung! Ein Wahnsinn, zwei einmalige Sichtungen an zwei direkt aufeinanderfolgenden Tagen, fast schon unglaublich! Nicht Jeder hat dieses Privileg, nur wenige Touristen sehen in ihrem kurzen Kruger-Aufenthalt ueberhaupt einen Leoparden. Wir kennen selbst einige Suedafrikaner, die seit ueber 20 Jahren den Park zweimal im Jahr besuchen, und die auch noch nie das Glueck hatten einen Leoparden zu sehen. Und wieder, selbst wenn mein Spruch schon abgedroschen klingt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, dass ist das Geheimnis!

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